Die Geschichte, wie ich nach Hause kam.
Die Geschichte wie Paul und letzendlich auch Rosi zu mir kam. Eine teilwahre Geschichte.Erzählt von Paul. Der Anfang ist fiktiv erzählt, doch ich schätze, dass er sich in etwa so zutrug.
Ich zuckte zusammen. Bine hatte schon wieder gegen meinen Käfig geschossen, der sich darauf bedenklich zur Seite neigte. Mit einigen schwachen Flügelschlägen brachte ich mich auf der Kommode in Sicherheit. Gerne wäre ich auf den Schrank geflogen, der mir Sicherheit versprach, doch für diese Höhe reichte meine Kraft nicht mehr aus. Außerdem waren dort seit kurzem Puppen aufgereiht, vor deren Fratzen ich mich fürchtete.
Wehmütig dachte ich an frühere Zeiten zurück. Zeiten, in denen ich noch ein glückliches Küken gewesen war, mit meinen Geschwistern und Eltern, die sich liebevoll um mich gekümmert hatten. Auch später noch war ich glücklich gewesen, in diesem großen Glaskasten, mit den vielen aufgeregten Stimmchen der anderen, aneinander gekuschelt ließen wir uns beglotzen. Doch eines Tages wurde alles anders. Vor dem Kasten stand ein kleines Mädchen, das unentwegt mit dem Finger auf mich zeigte. Kurze Zeit später wurde ich von einem Federlosen eingefangen und in einen Pappkarton gestopft. Darin hatte ich kaum Platz zum Atmen, geschweige denn, um meine Flügel zu bewegen.
Nach einem kurzen Weg in einem grölenden Ding wurde ich ruckelnd fortgetragen und in einen Bauer von der Größe eines Hamsterkäfigs gesteckt. Ängstlich hörte ich auf andere Vögel, doch es gab keine. Da war nur das kleine Mädchen, dass vor dem Käfig stand und durch die weißen Gitterstäbe schaute, und einen blauen Mitbewohner, der sich bisher weder bewegt, noch einen Ton von sich gegeben hatte. Vorsichtig näherte ich mich ihm und stupste ihn an. Er regte sich nicht und war ganz hart. Traurig setzte ich mich ans andere Ende des Käfigs.
Viele Wochen waren seit diesen Tagen vergangen, mein Gefieder war struppig, ich war abgemagert und hatte Hunger und Durst. Abends setzte ich mich wiederwillig in meinen stinkenden Käfig auf eine der Stangen, die mir an den Füßen wehtaten. Sie waren mit Sandpapier überzogen, und taten an den Schwielen meiner Haut weh.
Ich ließ den Kopf hängen und nickte ein.
Am nächsten Morgen, es war noch recht früh, kletterte ich lustlos hinaus, bereit für neue Spielideen von Bines Seite.
Doch noch schliefen alle. Meinen Käfig, grundsätzlich nicht abgedeckt und mit Törchen offen, verließ ich rasch, da mich etwas neugierig gemacht hatte. Es war ein offenes Fenster. Es war ein weiter Weg bis dorthin, doch ich wollte ihn auf mich nehmen. Ich flog, stürzte, kletterte an einem Stuhl auf den Schreibtisch und stieß mich erneut ab. Dann landete ich auf der Fensterbank.
Zögernd sah ich hinaus, ein bisschen mulmig war mir schon. Doch dann hörte ich ein rascheln hinter mir, das eindeutig von Bines Bettdecke stammte. Da war es um mich geschehen. Ich breitete die Flügel aus, stieß mich ab und flog in die Freiheit. Die Luft schmeckte gut, und sie trug mich, und so ich flog ein ganzes Stück. Schließlich ließ ich mich vor Schwäche zitternd auf einem Baum nieder und nickte ein.
Kurze Zeit später schrak ich auf. Schritte kamen näher. Erst jetzt sah ich mich richtig um. Ich saß auf einer Pappeln zwischen zwei Häusern. Plötzlich wurde ich entdeckt. Ein Junge von etwa 12 Jahren zeigte auf mich und schrie etwas auf Federlosisch. Kurz darauf kamen andere Federlose, und sie hatten Kescher dabei. Das war für mich das Zeichen. Ich flog davon, die Meute hinter mir her. Sie verfolgten mich lange, bis ich sie austrickste. An einem plätschernden Teich ließ ich mich nieder und trank ein paar Schlucke.
Plötzlich hörte ich ein rascheln hinter mir, doch zu spät: Eine Hand packte mich und hielt mich fest. Verzweifelt hackte ich darauf, um mich zu befreien, doch zwecklos: Ich saß fest.
Kurz darauf fand ich mich in einem Hamsterkäfig wieder, in den eiligst drei Äste befestigt worden waren. Zitternd setzte ich mich hinein. Nur wenige Stunden danach wurde der Käfig gegen eine richtige Voliere ausgetauscht.
Mir ging es nicht sehr gut. Ich bekam Futter und Wasser, doch ich war immer noch allein.
Zwei Wochen, nachdem ich gefangen worden war und fast schon vor Verzweiflung an Selbstmord dachte, wurde ich dann wieder umgesiedelt und erneut in ein brummendes Ding gestellt.
Endlich angekommen, kam ich in einen nagelneuen, großen Käfig, der alles besaß, was mein Herz begehrte. Doch leider war ich immer noch allein.
Damals wusste ich noch nichts von Rosi. Sie kam am nächsten Tag, nach dem ich einen stressigen Besuch beim Federlosen im weißen Kleid überstanden hatte, und wir verstanden uns auf Anhieb. Das Fliegen fiel mir immer noch schwer, doch Dank ihr bekam ich wieder Lebensmut. Meine Federlose kümmert sich gut um mich, ich fasse langsam Vertrauen und habe auch schon aufgehört zu zittern und mich zu rupfen.
Ich hoffe, dass ich bis zu meinem Abschied ins Regenbogenland hier bleiben darf.
Liebe Grüße, euer Paul.
Lieber Paul, du bist das Beste was mir je passiert ist, und ich freue mich jeden Tag, dich glücklich zu sehen!
Deine Schwarzauge
Nur gemeinsam ist nicht einsam!!!
Der Artikel wurde am 16.09.2010 von Schwarzauge veröffentlicht.
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claudia aus därligen (16.09.2010 - 18:17)
Wow eine wunderschöne geschichte !!!!


